UN-Handelsorganisation skeptisch

In den Policy Briefs der Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung (UNCTAD) fordert die Organisation eine Eindämmung von Bitcoin und Co. in Entwicklungsländern. Sie argumentiert damit, dass die Nachteile die Vorteile überwiegen würden. Die UN-Organisation sieht ein Wachstum von über 2.000 Prozent in den Entwicklungsländern während der Pandemie. Als Gründe für das rasante Wachstum nennt die UN die Möglichkeit einer schnellen und kostengünstigen Überweisung einerseits und den Schutz vor Inflation andererseits.

Auf der Negativseite werden die Risiken angeführt, die mit der Nutzung einhergehen: Hack von Krptobörsen und Verlust der digitalen Assets und hoher Energiebedarf für das Krypto-Mining. Vor allem in Entwicklungsländern mit mangelhafter Energie-Infrastruktur stellt der erhöhte Energieverbrauch ein Risiko für Blackouts dar. Daneben entgehen den Staaten durch die anonymen, nicht nachvollziehbaren Transaktionen wichtige Steuereinnahmen. Um letztgenanntem Problem entgegenzuwirken, empfiehlt die UN-Handelsorganisation eine höhere Besteuerung von Kryptowährungen im Vergleich zu anderen Finanzanlagen.

Armut als doppelter Risikofaktor

Die prekäre finanzielle und wirtschaftliche Lage wirkt sich nicht nur auf den Wohlstand, sondern auch auf den Bildungsgrad der Menschen aus. Geringere Bildung steht dem Zugang zu lukrativer Arbeit entgegen und verhindert Wohlstand. Zugleich setzt die Nutzung von Kryptowährungen eine gewisse technische Grundkenntnis voraus. Personen, die wenig von Technologie verstehen, sind einem stärkeren Risiko ausgesetzt, Verluste zu realisieren oder Betrügern zum Opfer zu fallen. Ein Teufelskreislauf der Armut, der seit Jahrzehnten besteht und mit Kryptowährungen einen neuen Aspekt hinzubekommt.

Dr. Penelope Hawkins, Senior Economic Affairs Officer in der Abteilung für Debt und Development Finance, Globalisation and Development Strategies der UNCTAD, sieht in diesem Zusammenhang auch den Staat in der Pflicht, bessere und sichere Zahlungssysteme für die marginalisierten Menschen zur Verfügung zu stellen.

Kryptowährungen nicht ausgrenzen

Bei aller Kritik pflegt die UN aber einen pragmatischen Zugang zur Thematik: Letztes Jahr im Juni gab das UN-Umweltprogramm einen Artikel über Kryptowährungen heraus, der empfiehlt, im Bereich der Blockchain weiter zu experimentieren, um mehr über diese Technologie zu lernen. Diese Einstellung ist vernünftig und deckt sich mit einer neuen Analyse der Blockchain-Forscher von Chainalysis, der vor allem Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen auf den vorderen Plätzen der Krypto-Adaption sieht: Die Philippinen, die Ukraine, Indien, Pakistan, Nigeria, Marokko, Nepal oder Indonesien.

Unangefochten auf Platz 1 liegt Vietnam, wo Krypto-Gaming, darunter Play-to-Earn- (P2E) und Move-to-Earn-Konzepte (M2E) besonders beliebt sind. Die Studie kommt zu dem erfreulichen Ergebnis, dass die Anleger ihre optimistische Einstellung zu Kryptowährungen behalten – trotz sinkender Preise. Somit schaffen es weder Bärenmärkte noch Kryptowinter, die weltweite Krypto-Adaption zu bremsen. Wie eingangs erwähnt, sind die realwirtschaftlichen Bedingungen in den Entwicklungs- und Schwellenländern so kritisch, dass Kryptowährungen sich als Alternative und Ausweg für die Menschen darstellen.

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