Kehrtwende bei Kryptos

So ändern sich die Zeiten: Noch im Jänner hatte die russische Zentralbank ein generelles Verbot des lokalen Krypto-Handels und -Minings vorgeschlagen. Die Begründung waren Finanzstabilitätsrisiken, wobei ein Krieg auch immer ein gewisses Stabilitätsrisiko in sich birgt. Deshalb hat die Zentralbank mittlerweile eingeräumt, eine zu aggressive Haltung gegenüber Kryptowährungen eingenommen zu haben – Bankgouverneurin Elvira Nabiullina nennt die gegen Russland verhängten Wirtschaftssanktionen als Hauptgrund für den Gesinnungswandel.

Dem vorangegangen waren Meinungsunterschiede zwischen Zentralbank und Finanzministerium – während die Zentralbank Kryptos am liebsten verboten hätte, verfolgte das Ministerium einen pragmatischeren Weg und forderte eine Regulierung samt Besteuerung. Wenige Monate später befindet sich das Land in einer Isolationslage und sucht nach Auswegen aus der Blockade. Vor allem als Mittel für den internationalen Zahlungsverkehr eignen sich Kryptowährungen – wurde Russland doch aus dem SWIFT-System ausgesperrt.

Kein SWIFT? Her mit Kryptos!

Ende Mai hat die stellvertretende Zentralbankchefin Ksenia Yudayeva bestätigt, dass die Zentralbank der Nutzung von Kryptowährungen für den internationalen Zahlungsverkehr inzwischen offen gegenübersteht. Das erscheint hinsichtlich der Isolation vom weltweiten Netz nur logisch. Nicht nur Russland, auch seine Bürger im Ausland sind von ihrem Geld abgeschnitten. Letztere haben bereits kurzfristig reagiert und sind auf den Krypto-Zug aufgesprungen, die etwas schwerfälligere Zentralbank hat für ihre Verhältnisse allerdings auch rasch reagiert. Yudaeva: „Wir haben unsere Position im Hinblick auf Mining geändert und erlauben ebenfalls die Nutzung von Kryptowährungen für den Außenhandel.“

Kryptowährungen für den Außenhandel

Das offizielle Statement der Zentralbank zu dieser geänderten Einstellung wurde allerdings nicht an die große Glocke gehängt – ob aus Scham wegen der Kehrtwende oder um Zeit zu gewinnen, bleibt offen. Das russische Finanzministerium soll bereits den finalen Gesetzentwurf zur Regulierung von Kryptowährungen vorgelegt haben, in dem die entsprechenden Zulassungen vorgesehen sind. Insbesondere die Verwendung von Kryptowährungen für den Außenhandel ist eine gewaltige Neuerung im überarbeiteten Entwurf – den Ukraine-Konflikts vor Augen und die damit einhergehenden Finanzsanktionen im Hinterkopf ein logischer Schritt und finanzieller Befreiungsschlag.

Wer will mit mir?

Für Russland stellt sich jetzt nur die Frage, wie man die Transaktionen mit seinen internationalen Handelspartnern abwickeln will, da der Einsatz alternativer Zahlungsmittel einen Verstoß gegen die Sanktionen darstellt. Man darf auf den Einfallsreichtum Russlands gespannt sein…

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