Direktbank kooperiert mit Krypto-Plattform

Europas größte Digitalbank N26 springt auf den Krypto-Zug auf und bietet seinen Kunden fortan Zugang zu rund 200 Kryptowährungen an. Partner ist das österreichische FinTec-Unicorn Bitpanda. Einer Studie von N26 unter 16.030 Befragten in Österreich, Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien zufolge handeln bereits 40 Prozent entweder aktiv oder haben Interesse an einer Investition. Aufgrund der hohen Nachfrage führt die Onlinebank nun ein Produkt ein, mit dem in der hauseigenen App rund 200 Kryptowährungen gehandelt werden können. N26-Kunden, deren Identität und Teilnahmeberechtigung erfolgreich geprüft wurden, können in der Bank-App über den Bereich “Trading” im neuen Tab “Finanzen” auf N26 Krypto zugreifen. Das Angebot startet zunächst nur in Österreich, soll im kommenden halben Jahr aber auf andere Kernmärkte ausgeweitet werden.

Den aktuellen Kursverfall sieht Valentin Stalf, Gründer von N26, nicht als Indiz für mangelnde Zukunftsfähigkeit. Im Gespräch mit der Kronen Zeitung räumt er ein: „Natürlich haben wir ein schwieriges Jahr für Krypto gesehen“, die Nachfrage nach Kryptowährungen sei aber weiter hoch. Er glaubt daran, „dass es auch in Zukunft cryptocurrencies geben wird und dass die Kunden da auch investieren werden“. Für ihn sind Kryptoprodukte oft der Einstieg in die Geld- oder Vermögensveranlagung. „Kryptoprodukte sind für viele Leute die erste Erfahrung mit Trading“, so Stalf: „Wir sehen, dass das eine gute Assetkategorie ist, um die Leute an das Thema heranzuführen“. Das in Mitteleuropa noch immer weitverbreitete Sparbuch als Anlageform sieht Stalf angesichts steigender Inflation kritisch: „Eigentlich müsste man sich viel stärker überlegen, ob man nicht auch anders für sein Alter vorsorgen kann“.

Energieproblematik, Regulierungen

Das Energieproblem der Kryptoindustrie sieht Stalf zwar, relativiert aber, dass man hier die einzelnen Kryptos und deren spezifische Miningvariante betrachten muss. So wird beispielsweise ETH nach dem Merge seinen Energieverbrauch um 99,5 Prozent senken können. Dennoch glaubt er, „dass wir auch im Kryptobereich über die nächsten Jahre mehr Transparenz in puncto Nachhaltigkeit bräuchten“, kann aber als einzelnes Bankinstitut nicht viel ändern. Was Regulierungen betrifft, ist Stalf glücklich über die Vorstöße in diese Richtung: „Das ist natürlich immer gut, weil ich dann Wettbewerb und einheitliche Standards habe. Eine klare europäische Regulierung im Kryptobereich ist natürlich vorteilhaft für die Kunden, aber gleichzeitig auch vorteilhaft für die Institute“.

In diesem Zusammenhang ist das Anfang Juli beschlossene Regelwerk mit dem Namen „Markets in Crypto Assets“ (MiCA) zu nennen, das Ende 2023 in Kraft treten soll. Bestandteil von MiCA ist u. a. die Lizenzpflicht für Unternehmen, die Kryptowährungen in der EU emittieren und verkaufen wollen. Mit dieser Lizenz können Firmen ihre Kunden in allen 27 Mitgliedsländern bedienen. Zusätzlich zur Lizenzpflicht gibt es eine Meldepflicht der Aufsichtsbehörden der jeweiligen Mitgliedsstaaten an die europäische Finanzmarktaufsicht ESMA: Sie müssen jeden großen Betreiber melden, den sie autorisiert haben. Das ist ein bedeutender Fortschritt zum Status quo, demzufolge Anbieter lediglich einem nationalen Aufseher nachweisen müssen, dass sie über angemessene Kontrollmechanismen zur Geldwäscheprävention verfügen.

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