Der Staat verdient mit

Wer sich schon länger im Krypto-Universum aufhält, der kann sich ein verwundertes Kopfschütteln nicht verkneifen: Anfangs noch verteufelt und als hochvolatile Geldvernichtungsmaschinerie in Verruf gebracht, erstaunt es schon, wie nun von der Kreisbank bis zum Nationalstaat alle am Erfolg digitaler Vermögenswerte mitpartizipieren möchten. Die Zugänge sind unterschiedlich – während die Bank mit Verwahrungsdienstleistungen und Bitcoin-Automaten reüssieren will, nimmt sich der Staat seinen Anteil in Form von Steuern. Die Ansätze in den einzelnen Ländern sind unterschiedlich und reichen von Minimalbesteuerung bis hin zu recht selbstbewussten Steuersätzen, an deren Erfolg gezweifelt werden darf.

Portugal: 0 Prozent

Im „gelobten Land“ für Kryptoinvestoren sah ein Gesetzesentwurf die Besteuerung von Kryptowährungen in Portugal vor, allerdings lehnte das Parlament ein solches Gesetz vorerst ab. Es bleibt also dabei, dass keine Steuer auf Krypto-Gewinne zu zahlen ist, solange diese Gewinne kein Primär- oder Sekundäreinkommen darstellen. Wie lange das noch so bleibt, ist fraglich – auf Dauer wird Portugals Regierung auf diese Zusatzeinnahmen nicht verzichten wollen. Bis es so weit ist, bleibt das Land an der Atlantikküste steuerlich sehr attraktiv für Krypto-Enthusiasten.

Argentinien: KESt plus 0,6 Prozent

Argentinien gilt prinzipiell als äußerst kryptofreundlich – dennoch will man einen Anteil an den Erträgen seiner Bürger: Kryptowährungstransaktionen unterliegen seit 2017 der Kapitalertragssteuer. Nun hat die argentinische Zentralbank eine Kryptowährungstransaktionssteuer für Krypto-Börsen eingeführt, die Bankkonten in Argentinien haben. Dadurch müssen Krypto-Börsen eine Steuer von 0,6 Prozent abführen, die jedoch realistischerweise in Form von Gebühren auf die Nutzer abgewälzt werden wird.

Österreich: 27,5 Prozent

Seit März 2022 gilt in Österreich das neue Gesetz zur Besteuerung von Gewinnen aus dem Verkauf von Kryptowährungen. Gewinne werden nun mit 27,5 Prozent KESt belegt und um das Eintreiben der Steuern zu erleichtern, sieht die Regelung vor, dass die heimischen Kryptobörsen die Steuer einbehalten und für die Anleger an das Finanzamt abführen. Erfreulich: Die neuen Bestimmungen sind erst auf nach dem 28. Februar 2021 angeschaffte Kryptowährungen anwendbar und die Verpflichtung zum KESt-Abzug gilt erstmals für Einkünfte aus Kryptowährungen, die nach dem 31. Dezember 2023 anfallen.

Indien: 30 Prozent

In Indien soll noch dieses Jahr die digitale Rupie kommen – und kräftig besteuert werden. Die indische Finanzministerin Nirmala Sitharaman kündigte an, die Einnahmen aus Kryptowährungen, Schenkungen digitaler Vermögenswerte und NFTs pauschal mit einer Einkommenssteuer von 30 Prozent zu belegen. Im Hinblick auf die 15 Prozent, mit der kurzfristige Kapitalgewinne aus dem Verkauf von Aktien besteuert werden, eine starke Ansage. Wenn man in Indien vorhatte, die Akzeptanz digitaler Assets zu erhöhen, wirken 30 Prozent wohl wenig motivierend.

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