Die Stunde der Regulierer

Manche haben den Krytpo-Winter bereits ausgerufen, doch die Krypto-Branche hat sich noch immer von Rückschlägen erholt. Die momentane Schwäche wollen einige Länder ausnutzen, um ihre Regulierungswünsche umzusetzen. Vor dem Hintergrund der aktuellen Stimmungslage versprechen sie sich mehr Unterstützung für ihre Pläne. Man darf einigermaßen skeptisch sein: Nachdem man die Steuerschraube auch bei Gewinnen aus Kryptos angezogen hat, will man nun den Grad an Kontrolle erhöhen. So wie die Vergangenheit lehr, dass der Krypto-Markt sich stets wieder erholt, weiß man auch, dass Vater Staat immer zu seinem Geld kommt, wenn es etwas zu holen gibt. Das allein sollte als positives Signal für Zweifler genügen.

Wie konnte es so weit kommen?

Wir wissen: Das Ökosystem von Terra-Luna ist implodiert und der Krypto-Kreditgeber Celsius Network kämpft mit Insolvenzsorgen. Das ist nichts Neues, Volatilität ist den Krypto-Währungen inhärent – weit schlimmer ist der Vertrauensverlust. So wie jede Währung der Welt nur auf Vertrauen basiert, stützt sich auch der Krypto-Markt auf die Zuversicht der Marktteilnehmer. Und da Kurstäler nicht in wenigen Wochen durchschifft sind, springen viele ungeduldige und schwachnervige Investoren ab. Das befeuert die Krise, die bereits ihre nächsten Opfer sucht: Der in Hongkong ansässige Krypto-Kreditgeber Babel Finance hat am 17. Juni wegen „ungewöhnlichem Liquiditätsdruck“ eine vorübergehende Aussetzung von Rücknahmen und Abhebungen aus seinen Produkten angekündigt. Der Krypto-Hedgefonds Three Arrows Capital wiederum ist Forderungen von Kreditgebern nach zusätzlichen Mitteln nicht nachgekommen.

Regulierer im Aufwind

Die Aufsichtsbehörden sind auf den Plan getreten und nehmen nun die Krypto-Industrie und Unternehmen wie Terra und Celsius genauer unter die Lupe. Es stellt sich die Frage, ob der Zusammenbruch von TerraUSD oder die Zahlungsschwierigkeiten bei Celsius hätten verhindert werden können. Der Weisheit letzter Schluss erscheint eine strengere Regulierung der Krytpo-Branche als Schlüssel zu einem angemessenen Anlegerschutz und zu einer Glättung der Volatilität der digitalen Vermögenswerte. Laut Ansicht der Regulierer seien im Hinblick auf Finanzstabilität, Konsumenten- und Anlegerschutz Regulierungen wie bei anderen Vermögensklassen gerechtfertigt.

Hier ist Europa den Vereinigten Staaten etwas voraus. Die EU will mit Mica („Markets in Crypto Assets“) einen innovationsfreundlichen, EU-weit einheitlichen Regulierungsrahmen für digitale Finanzdienstleistungen schaffen. Hauptproblem in Europa: Derzeit divergiert geltendes Recht von Land zu Land. Ziel von Mica ist die Regulierung der Ausgabe, des Vertriebs und des Handels mit Krypto-Assets. Dabei hat man sich vor allem der Rechtssicherheit, dem Konsumenten- und Anlegerschutz, der Förderung von Innovation sowie Marktintegrität und Finanzstabilität verschrieben.

Heißer Herbst

Frankreich will eine Einigung bis Ende Juni – Mica ist jedoch schon länger Streitthema, was eine rasche Einigung unwahrscheinlich macht. Es wird wohl Herbst werden in Europa, bis man sich geeinigt hat. Anfang September wird auch die 180-Tage-Frist der Executive Order des Weißen Hauses fällig sein. Die erste Reihe von wird eine Vielzahl von Regulierungsideen enthalten, die recht wahrscheinlich nach ihrer Formulierung rasch kodifiziert werden. Somit gibt es bald auf beiden Seiten des Atlantiks strengere Regeln für die Krypto-Branche – ob das dem Markt guttun wird, wird sich zeigen…

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