„Normale Marktschwankungen“

Durch Kryptomarkt befährt im Moment raue See – Wellenberge und -täler inklusive. Wobei in letzter Zeit eher ein schier endloses Wellental durchquert wird. Erst stürzte Terra ins Bodenlose, kurz danach folgte – auch aus Angst vor steigender Inflation – der Bitcoin. Nachdem der Markt schon im Mai crashte, ging es Bitcoin Mitte Juni erneut an den Kragen. Die Zentralbanken hatten die Leitzinsen erhöht – das Krisen bei Plattformen wie Coinbase und Celsius, das Vermögenswerte in Höhe von 20 Milliarden Dollar verwaltete, brachten den Kurs erneut ins Straucheln und trieben ihn kurzzeitig unter 18.000 Dollar.

Bis sich der Kurs erholen wird, dürfte es noch eine ganze Weile dauern. Mit ein Grund sind Leitzinserhöhungen, die nun festverzinste Wertpapiere wieder interessant für Investoren machen. Die fetten Jahre und das schnelle Geld scheinen vorbei zu sein – man begnügt sich mit niedrigeren, aber sichereren Renditen. Ob sich dieses nervöse Investitionsverhalten lohnt, wird sich zeigen. Binance-Chef Changpeng Zhao jedenfalls ist der Ansicht, dass der Kryptocrash eine normale Marktschwankung sein. Er sieht ein ähnliches Verhalten auch am Aktienmarkt, der seit Jahrzehnten zyklisch steigt und fällt.

Personalfluktuation

Der Kryptomarkt hat harte Wochen hinter sich. Das spüren auch die größten Handelsplattformen: Coinbase will einer Ankündigung von CEO Brian Armstrong zufolge knapp 20 Prozent der Belegschaft kündigen. Das sind 1.000 Mitarbeiter, die aus Furcht vor einer Rezession freigesetzt werden. In einer Zeit des wachsenden Arbeitnehmermarktes eine kurzsichtige Entscheidung, von der Binance profitiert: CEO Changpeng Zhao kündigte an, 2.000 neue Mitarbeiter einstellen zu wollen. Er spart auch nicht mit einem Seitenhieb auf Coinbase: So sei die Einstellung zusätzlicher Mitarbeiter deshalb möglich, weil man auf teure Super-Bowl-Werbespots und Sponsorenverträge verzichtet habe.

Auch verdeutlichte er im Interview mit Bloomberg nochmals seine Einschätzung, dass es keinen Grund zur Sorge gebe. Vielmehr handle es sich beim derzeitigen Crash um „normale Marktschwankungen“, die normal seien. „Märkte gehen auf und ab. Das sehen wir auch an den Aktienmärkten. Auch Netflix ist um 70 Prozent gefallen. Das ist einfach Teil des normalen Marktverhaltens“, sagte Zhao.

Jetzt erst recht!

Vielmehr sieht Zhao in der aktuellen Marktsituation den besten Zeitpunkt, um neues Personal anzuheuern. Auch sei jetzt die Zeit für Übernahmedeals. Vor konkurrierende Handelsplattformen, Informationswebseiten oder Anbieter von Krypto-Wallets sind jetzt günstig zu haben. Hier bewahrheitet sich wieder die Weisheit, dass sich alles wiederholt und man aus der Vergangenheit lernen sollte: Gemeint ist jedoch nicht der polemische Vergleich der Kryptowährungen mit den holländischen Tulpenzwiebeln, sondern die Grundsätze des verantwortungsvollen Wirtschaftens mit Bedacht auf kommende Marktherausforderungen.

Genau in dieser Situation befinden wir uns: Das schnelle, einfache Geld ist nicht mehr so einfach zu machen – die Ausgangslage ist nun schwieriger, aber nicht hoffnungslos. Wer in den fetten Jahren nicht Speck angelegt hat, wird nun verhungern. Dieses Prinzip gilt in der Natur seit jeher und hat auch am Kryptomarkt seine Gültigkeit. Jetzt sollte man tunlichst hodln oder sogar nachkaufen, wenn es die Mittel erlauben. Wer diese Krise übersteht, geht gestärkt daraus hervor. War noch immer so.

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