Russisches Gas mit Bitcoin bezahlen

Russland, das schon lange als Hochburg für Krypto-Geldwäsche gilt, will sich offenbar ein zweites Standbein schaffen und neben verstärktem Engagement im Mining auch seine Gasgeschäfte mit befreundeten Staaten in Bitcoin abwickeln. Putin zeigt sich Jahresbeginn deutlich krypto-freundlicher als die Jahre zuvor. Das könnte neben der mutmaßlichen Schädigung der Weltleitwährung US-Dollar vor allem die Abmilderung der westlichen Sanktionen zum Zweck haben.

Am 24. März kündigte Pavel Zavalny, Vorsitzender des russischen Energieausschusses, an, dass Russland künftig für die Zahlungen von „freundlichen“ Staaten neben Rubel und den lokalen Währungen auch Bitcoin akzeptieren wolle: „Wir schlagen China schon seit langem vor, Rubel und Yuan in den Landeswährungen abzurechnen. Mit der Türkei werden es Lira und Rubel sein. Die Währungen können unterschiedlich sein, das ist eine gängige Praxis. Sie können auch mit Bitcoins handeln“, so Zavalny laut BBC.

Dollar und Euro schwächen

Ziel Russlands ist dem Vernehmen nach eine Schwächung der Hartwährungen US-Dollar und Euro. Allerdings birgt der Bitcoin als Zahlungsmittel für russisches Gas auch Risiken, da er Volatilität in das ansonsten stabile Energiegeschäft bringt. Darüber hinaus haben die russland-freundlichen Staaten China und Türkei ein eher stiefmütterliches Verhältnis zu Kryptowährungen. China hat 2021 sämtliche Kryptotransaktionen für illegal erklärt und auch in der Türkei gibt es ein Verbot von Kryptowährungen. Damit wackeln zwei potenzielle Handelspartner – und so viele andere Freunde hat Russland aktuell nicht…

Fakt ist, dass Rubel-Zahlungen in Kryptowährungen zu Beginn des Ukraine-Krieges sprunghaft anstiegen. Verantwortlich dafür sind zwar vor allem Kleinanleger, die ihre bald wertlosen und nicht mehr verfügbaren Rubel in Kryptowährungen investierten – der eine oder andere Wal dürfte daran aber auch nicht gänzlich unbeteiligt gewesen sein.

Russlands Mining-Offensive

Nach dem Verbot in China sind Heerscharen von Minern auf die globale Suche nach billigem Strom gegangen. Fündig wurden sie nicht nur in Schwellenländern, auch Russland zeigte sich gastfreundlich und großzügig mit Energie. Angesichts der aktuellen Sanktionslage kann man einen Vergleich zum Iran ziehen, der ebenfalls westliche Sanktionen mittels Bitcoin-Mining umgeht. Aktuell liegt Russland mit seiner Hashrate nach den USA und Kasachstan auf Platz 3, doch scheint Russland seinen Anteil zu erhöhen: So erhielten russische Dienste laut „BTC Echo“ seit Anfang 2022 wesentlich mehr Kryptowährungen von Mining-Pools. Das legt die Vermutung nahe, dass der russische Staat das Bitcoin-Mining bereits fördert oder dahingehend letzte Schritte vollzieht.

Inwieweit das den Kurs und auch die Reputation von Bitcoin beeinflusst, wird sich zeigen. Es darf aber bezweifelt werden, dass der Dollar durch die russischen Aktivitäten nachhaltig geschwächt wird, jedoch kann als sicher angenommen werden, dass der bereits angeschlagene Rubel dadurch noch weiter an Wert verlieren wird.

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