Neue Völkerwanderung der Krypto-Miner

2021 äußerte sich China mehrfach kritisch zu Kryptowährungen. Die Ankündigung, gegen das klimaschädliche Schürfen und somit gegen die Miningfarmen vorgehen zu wollen wurde einige Wochen später umgesetzt, indem Transaktionen in Verbindung mit Kryptowährungen für illegal erklärt wurden. Dies galt auch für ausländische Onlinedienste, die Chinesen den Zugriff auf Digitalwährungen ermöglicht hatten. Die kritische Haltung Chinas ist einerseits durch den hohen Energieverbrauch des Minings begründet, andererseits rührt sie von der Abneigung gegen den digitalen Yuan her, Chinas eigener, staatlich kontrollierter Digitalwährung.

In der Folge wanderten Miner in die USA, nach Russland und andere Länder ab. Die USA profitierten am stärksten von den Entwicklungen in China und wurden zum weltweit wichtigsten Standort für Krypto-Miner. Aber auch Russland setzte es sich zum Ziel, die weltweiten Miningressourcen in den flächenmäßig größten Staat zu holen und schaffte es mit Platz 3 auf das Treppchen der wichtigsten Mining-Standorte. Platz 2 geht an Kasachstan, wo fast 20 Prozent der weltweiten Bitcoin-Rechenleistung gestellt werden. Auch Europa wollte von den Entwicklungen in China profitieren – die Republik Kosovo versuchte ebenfalls , Miner ins Land zu locken.

Katerstimmung in den Schwellenländern

Im Januar veröffentlichte die russische Zentralbank einen Bericht, in dem sie dafür plädierte, den Kryptohandel und das Mining von Kryptowährungen aus Gründen der Energiebilanz, der Finanzstabilität und zur Verbrechensbekämpfung zu verbieten. Auch in Kasachstan, wo niedrige Strompreise die Miner lockten, verdunkelte sich die Stimmung. Ende 2021 hatte die Regierung unter anderem wegen ausgefallener Kohlekraftwerke regionale Stromabschaltungen vorgenommen. Die Energieengpässe veranlassten die Regierung auch dazu, den Minern weniger Strom zur Verfügung zu stellen. Das und die Internetausfälle aufgrund der Unruhen Anfang 2022 bewegte einige Miner dazu, Kasachstan den Rücken zuzukehren. Und auch im Kososvo gingen die Miner aus, als die Regierung Anfang Januar ein Verbot für das Krypto-Schürfen verhängte, um den Stromverbrauch zu senken.

Ende Dezember 2021 war ein 60tägiges Krypto-Mining-Verbot verhängt worden. Das größte Kohlekraftwerk des Landes musste Ende 2021 wegen eines technischen Problems abgeschaltet worden. Das zwang das Land zu teuren Stromimporten – steigende Strompreise vergälte den Minern auch im Kosovo das Geschäft. In Kombination mit regelmäßigen Razzien und Beschlagnahmungen von Geräten verlagerten zahlreiche Miner ihre Aktivitäten in Nachbarländer oder warfen ihre Hardware zu Dumpingpreisen auf den Markt.

Lösung: Liberalisierung des Strommarkts

Die Menge der aus China abgewanderten Miner überstieg rasch die Kapazitäten der sie aufnehmenden Schwellenländer. Energieengpässe gefährden die Strominfrastruktur eines Landes ebenso wie dessen Finanzstabilität. Ein Teufelskreislauf? Peter Marggraf, CEO der Crypto Supply GmbH, sieht in Georgiens Vorstoß zur Liberalisierung des Strommarktes einen validen Lösungsansatz. In Georgien hatten hohes Wirtschaftswachstum, geringere Strompreise und verstärkte Mining-Aktivitäten den Energiebedarf 2021 nach oben getrieben. In einem Interview mit BTC-ECHO erklärt Marggraf: „Energieerzeuger müssen nun einerseits genau angeben, wie viel Strom sie mit ihren Anlagen produzieren können. Andererseits verpflichten sich aber auch die großen Energieabnehmer zur Einhaltung des angegebenen Verbrauchs. Mit dem Konzept kann man sowohl die Erzeugung als auch die Verbräuche besser abschätzen und harmonisieren.“ Wenn dies in Georgien gelingt, präsentiert sich damit eine Lösung, mit der das Mining tatsächlich ein finanzieller Segen für Schwellenländer sein kann.

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