Ethereum könnte profitieren

Mitte März sollten innerhalb der EU alle Dienstleistungen, die auf „ökologisch nicht nachhaltigen Konsensmechanismen“ beruhen, verboten werden. Nur knapp entschied sich der Wirtschaftsausschuss des EU-Parlaments gegen dieses De-facto-Verbot von Bitcoin. Wie es den Anschein hat, ist dieses Thema noch nicht vom Tisch: Als eine Mehrheit der Abgeordneten im Ausschuss für Wirtschaft und Währung gegen einen entsprechenden Änderungsantrag von Regeln für Krypto-Dienstleistungen (MiCA) gestimmt hatte, meinte der grüne EU-Abgeordnete Rasmus Andresen gegenüber „Netzpolitik.org“, dass „das letzte Wort noch nicht gesprochen[ist].“

Der unstillbare Hunger nach Energie, den das Mining von Bitcoin mit sich bringt, rückte insbesondere Mitte Mai 2021 ins öffentliche Bewusstsein: Tesla-CEO Elon Musk hatte kurz zuvor Bitcoin als Zahlungsmittel für seine Fahrzeuge akzeptiert; wenige Wochen nach dem Start der Aktion kündigte er jedoch an, dass er angesichts des hohen Stromverbrauchs beim Mining die Zahlungen mit Bitcoins wieder stoppt.

Bitcoin-Mining durch PoW teuer

Die aufwendige Erzeugung von Bitcoins setzt auf den Algorithmus Proof-of-Work (PoW), wobei die BTC durch die Lösung kryptographischer Aufgaben erzeugt werden. Der Deal ist: Bereitstellen von Rechenleistung gegen einen Anteil am neu generierten Bitcoin. Das war anfangs ein lukratives Geschäft – die Aufgaben waren relativ einfach zu lösen, Hardware günstig zu haben und Strom ebenso. Inzwischen sind die Rechenaufgaben beim Mining aber so komplex geworden, dass sie nur noch mit Hochleistungsrechnern zu bewältigen sind. Infolgedessen entstanden riesige Miningfarmen, die natürlich einen eklatant höheren Strombedarf für Betrieb und Kühlung haben. In der Folge steigt auch der Anteil an den CO2-Emissionen, wenn fossile Brennstoffe wie Kohle zur Stromerzeugung verwendet wurden.

Ethereum arbeitet angesichts dessen bereits an einer Umstellung auf die viel sparsamere Proof-of-Stake-Methode, bei der nicht mehr die Teilnehmer mit den größten Rechenressourcen belohnt werden. Stattdessen kann anteilsmäßig jeder Netzwerk-Teilnehmer beteiligt sein – je mehr ETH man besitzt, umso höher soll dabei die Chance sein, einen neuen Eintrag in der Blockchain zu platzieren und dafür belohnt zu werden. Leider verzögert sich die Umstellung, die doch ziemlich komplex ist und so manches Risiko birgt. Noch kniffliger ist dieser Wechsel beim Bitcoin, denn seine dezentrale Struktur macht Updates sehr schwierig. Hier könnte die Lösung in einer Trendwende hin zu grüner Energie liegen. Dazu gibt es einige interessante und vielversprechende Ansätze.

Die Zeit drängt

Für den Bitcoin drängt die Zeit: Das Umweltbewusstsein nahm in den letzten Jahren kontinuierlich zu, dazu kommt das Verbot in China und die durch den Ukraine-Krieg ausgelöste Explosion der Energiepreise. „Netzpolitik.org“ hat jüngst unter Berufung auf bislang unveröffentlichte Dokumente berichtet, dass sich Regierungsvertreter aus mehreren europäischen Ländern gemeinsam mit Abgesandten der EU-Kommission unter Ausschluss der Öffentlichkeit über mögliche Restriktionen hinsichtlich des Bitcoins austauschen. Was im Moment nur Brainstorming ist, könnte je nach Entwicklung der geopolitischen Faktoren rasch Ernst werden. Will man auf billige Energie aus Russland verzichten, entsteht kurzfristig ein Defizit, das man sicher nicht durch Mining zusätzlich vergrößern will.

So reichen die Forderungen von einem Verbot des Minings (was angesichts der geringen europäischen Beteiligung daran kaum Auswirkungen hätte) bis hin zu einem innereuropäischen Handelsverbot, was wiederum einen großen Effekt erzielen würde. Konkreter ist dahingehend der Vorschlag der EU-Kommission einer neuen Energieeffizienz-Richtlinie, wonach die Mitgliedsstaaten Daten über den Energieverbrauch von Rechenzentren sammeln und veröffentlichen müssten. Anhand dieser Daten sind konkrete Maßnahmen denkbar, wenn der Verbrauch einzelner Anlagen signifikant höher wäre.

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