Wohin sich die Wirtschaft entwickeln könnte

Die inflationären Tendenzen der vergangenen Monate haben sich im März weiter verstärkt – die Teuerungsrate liegt über 7 Prozent im Vergleich zu 2021. Die Inflation macht sich besonders im Energiebereich bemerkbar – Strom, Gas oder Treibstoffe befeuern die Entwicklung weiter, Lebensmittelkonzerne haben ebenfalls bereits begonnen, ihre Waren teurer zu verkaufen. Bei nicht analog steigenden Löhnen droht eine Stagflation, sprich hohe Inflation bei gleichzeitiger Rezession, wie wir es in den 1970er Jahren schon erlebt haben.

Die Aussichten sind trüb, vor allem bei einem Blick auf den US-amerikanischen Rentenmarkt. Es droht ein Abflachen der Zinskurve, was negative Auswirkungen auf die Konjunktur hat: Banken betreiben Fristentransformation – die Umwandlung von kurzfristigen Geldanlagen in langfristige Darlehen. Wenn nun jedoch die Zinsen bei kurzfristigen Anleihen steigen, dann kommen Banken nicht mehr so günstig an Geld, das sie in Form von Krediten langfristig zu höheren Zinsen weitergeben können. Die Folge sind steigende Zinsen bei Kleinkrediten, was sich letztlich negativ auf die Konjunktur auswirkt.

Stagflation?

Daraus könnte sich als mögliches Szenario eine Stagflation ergeben. Für Krypto-Anleger eine heikle, weil ohne historische Daten schwer einzuschätzende Situation. Retrospektiv betrachtet sind es vor allem die Anlageklassen Edelmetalle, Rohstoffe und Immobilien, die in einer Stagflation gut performt haben. Hier ist der Wunsch Vater des Gedankens, dass der Bitcoin sich ähnlich wie Gold entwickeln könnte. Zwischen 1970 und 1980 explodierte der Goldpreis von rund 36 US-Dollar je Feinunze auf über 600 US-Dollar im Jahr 1980.

Deflation?

Denkbar ist aber auch, dass sich die Inflation abkühlt und in eine Deflation verkehrt. Ein Überangebot am Markt durch die Auswirkungen der Pandemie und Produktivitätsfortschritte aufgrund technologischer Innovationen könnten durchaus zu sinkenden Preisen führen. Diese Ansicht vertritt unter anderem der ehemalige Goldman-Sachs-Hedgefonds Manager und Gründer von Real Vision Finance, Raoul Pal, der glaubt, dass die Inflation nicht durch die Decke gehen wird. In einem Interview auf Real Vision vertrat er die These, dass die Wirtschaft in den USA sich bereits bis zum Sommer dieses Jahres stark abkühlen könnte. Aufgrund einer Nachfrage-Destruktion werde somit auch die Inflation zurückkommen, was wiederum die US-amerikanische Notenbank in eine eher abwartende Haltung versetzen könnte, in der es keine weiteren Zinsanhebungen gibt.

Auch den Inflationstreiber Rohstoff-Preise sieht er mittlerweile auf einem Plateau und rein Nachfrage-getrieben. Er zieht in diesem Zusammenhang einen historischen Vergleich zu Chinas Aufstieg nach der Dotcom-Blase im Jahr 2000. Der massive wirtschaftliche Aufschwung des Landes hat damals eine enorme Rohstoff-Nachfrage mit sich gebracht, wobei die Durchschnittsrate der Inflation zwischen 2000 und 2008 jedoch lediglich drei Prozent betrug.

Und Bitcoin?

Die für uns entscheidende Frage ist jedoch, wie der Bitcoin zukünftig vom Markt behandelt werden wird. Wenn er ähnlich wie Gold in den 1970ern gehandelt wird, dann ist mit Ausblick auf ein Stagflations-Umfeld eine Kursrallye wahrscheinlich. Wie jedoch die weitere Entwicklung sein wird, lässt sich aufgrund der unsicheren geopolitischen Entwicklungen und deren Auswirkungen auf die Makroökonomie nicht eindeutig bestimmen – zu groß sind die Unsicherheitsfaktoren im Konflikt zwischen Russland und der Ukraine.

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