Ehrgeiziges Projekt mit zweifelhaften Aussichten

Wer sich schon länger im Krypto-Universum aufhält, kennt den Namen Mt.Gox: Die Kryptobörse wickelte 2013 knapp 60 Prozent des globalen Bitcoin-Handels ab, bis ein Jahr später die Insolvenz folgte. Der ehemalige Mt.Gox-Chef Mark Karpelès wurde damals zu vier Jahren auf Bewährung verurteilt. Nun möchte er seine Erfahrungen weitergeben und eine Ratingagentur für Kryptobörsen gründen. Ob ihm Erfolg beschieden sein wird?

Mt.Gox hat eine schillernde Vergangenheit: 2007 in Tokio von Jed McCaleb als Plattform für den Tausch von Spielkarten gegründet, wurde die Plattform unter Mark Karpelès bereits nach einem Jahr in eine Bitcoin-Börse umgewandelt und damit innerhalb kürzester Zeit zum weltweit größten Handelsplatz für Bitcoin. Doch auf das rasche Aufblähen folgte die Implosion: Noch im Jahr 2013 geriet Mt.Gox in eine beträchtliche finanzielle Schieflage, bevor am 7. Februar 2014 die Auszahlung von Bitcoins eingestellt wurde. In der Folge war die Website ab 25. Februar 2014 nicht mehr erreichbar und Mt.Gox zahlungsunfähig.

Wo sind die ganzen Bitcoins hin?

Es wurden rund 650.000 Bitcoin vermisst – 7.000 davon wurden mutmaßich von Hackern gestohlen, das Gros jedoch dürfte jedoch von Mt.Gox-Insidern selbst unterschlagen worden sein, was für tausende Krypto-Anleger den Totalverlust bedeutete. Karpelès wurde am Ende in Japan zu vier Jahren Bewährungsstrafe verurteilt – und überrascht nun mit einem neuen Projekt: Einer Ratingagentur für Kryptobörsen!

Das „Handelsblatt“ berichtete, dass Karpelès nun wohl seine negativen Erfahrungen rund um Kryptobörsen an institutionelle Großinvestoren und Privatanleger weitergeben will. Dazu sammelt er im Moment Geld für eine Ratingagentur, die neben einer kostenlosen Version auch einen gebührenpflichtigen Newsletter anbieten will, der detaillierte Informationen über Betreiber, Rechtsbedingungen und die Technik der jeweiligen Kryptobörsen liefern soll.

Bescheidene Marktaussichten

Der Krypto-Hype der vergangenen Jahre hat zu einer Explosion der Anbieter geführt – es gibt mittlerweile über 1.000 Umschlagplätze für Kryptowährungen. Das Ziel von Karpelès ist durchaus nobel: „Ich versuche, dafür zu sorgen, dass so etwas wie Mt.Gox nicht wieder vorkommt, […] wenn ich sage, dass etwas falsch läuft, glauben es vielleicht viele Menschen.“ Er spielt durchaus mit seiner Vergangenheit und nennt seine Agentur „UnGox“, eine offensichtliche Anspielung auf Mt.Gox. Ob die Namenswahl im Hinblick auf den Branchenbegriff „goxen“ (Umschreibung für den Bitcoin-Betrug von Mt.Gox) klug gewählt ist? Branchenkenner Norbert Gehrke, Gründer der Fintech-Gemeinde Tokyo Fintech ist im Gespräch mit dem „Handelsblatt“ skeptisch: „Wenn er da ein Geschäftsmodell sieht, dann viel Glück. Als Gewinnbringer kann ich mir so eine Ratingagentur nicht unbedingt vorstellen.“ Hinzu kommt, dass die Idee nicht neu ist und es bereits ähnliche Dienste wie etwa CoinGecko mit einem „Trustscore“ von 1 bis 10 für Krypto-Börsen gibt.

Außerdem sieht Gehrke die Entscheidung über die Vertrauenswürdigkeit beim Markt und dort bei den kapitalintensiven institutionellen Investoren, die etwa bei Coinbase bereits zwei Drittel des Volumens ausmachen: „Ich sehe den Wert einer Ratingagentur nicht bei Börsen, wo der Markt schon entschieden hat“, so der deutsche Fintech-Kenner. Natürlich ist Kriminalität und Sicherheit im Hinblick auf Kryptobörsen ein drängendes Problem, das gelöst werden muss. Ob es dafür jedoch einer Ratingagentur wie jener von Karpelès bedarf, sei dahingestellt.

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