Proof of Stake: Bitte warten!

Zunächst war Anfang 2022 geplant, danach wurde der Juni ins Auge gefasst, nun ist auch dieser Termin nicht mehr zu halten: Die geplante Umstellung von PoW auf PoS von Ethereum wird vermutlich noch länger auf sich warten lassen. Das revolutionäre Update soll es ermöglichen, Transaktionen schneller, billiger und energiesparender abzuwickeln. Ethereum-Chefentwickler Tim Beiko schrieb im April auf Twitter. „Wir haben noch keinen festen Termin, sind aber definitiv auf der Zielgeraden.“ Dazu kommen Zweifel, ob der proklamierte Quantensprung in dieser Form zu schaffen ist: „Verzögerungen bei der heiß ersehnten Umstellung auf die ‚Proof-of-Stake‘-Methode sind nachvollziehbar, da diese hoch kompliziert ist“, sagt Brendan Playford, Gründer des auf Krypto Geschäfte spezialisierten Finanzdienstleisters Masa. „Außerdem ist es immer noch unklar, ob sie die versprochenen Kostensenkungen und höheren Transaktionsgeschwindigkeiten liefern kann.“

Die Idee hinter Proof-of-Stake ist: Während bei Proof-of-Work nur derjenige Miner belohnt wird, der als erster die entsprechenden Algorithmen berechnet und alle anderen Beteiligten leer ausgehen, sind bei PoS für die Blockproduktion eine Handvoll Validatoren mit großem ETH-Bestand verantwortlich. Einige Kryptowährungen wie Solana oder Cardano nutzen dieses Verfahren bereits ausschließlich oder zum Teil.

Pro und Contra

Die Vorteile sind klar: Neben einer dramatischen Energieeinsparung winkt durch die Umstellung auch eine enorme Beschleunigung der Abläufe von derzeit 30 auf bis zu 100.000 Transaktionen pro Sekunde. Das ist auch notwendig – Ethereum ist schließlich nicht nur eine digitale Währung, sondern auch eine Software-Plattform, auf der sich automatisierte Zahlungsprozesse programmieren lassen. Auch viele NFTs werden auf der Ethereum-Blockchain registriert. Alles wäre somit angerichtet, um die Attraktivität von Ethereum stark zu erhöhen: „Wir beobachten bereits, dass Fonds in Vorbereitung für ‚Merge‘ Gelder in Ethereum umschichten, obwohl noch nicht klar ist, wann das Update kommt“, sagt Noelle Acheson, Chef-Analystin des auf Kryptowährungen spezialisierten Brokerhauses Genesis.

„Wo viel Licht ist, ist starker Schatten“ ließ bereits Goethe seinen „Götz von Berlichingen“ sagen – mittels energieintensivem PoW wir die Integrität der Validierungsknoten überprüft, was die Sicherheit erhöht und Dezentralität sichert. Und auch der Energiebedarf ist nicht unbedingt ein großes Problem: Es gibt bereits Bestrebungen, grüne Energie einzusetzen und nicht nur in den USA, mittlerweile Mining-Nation Nummer 1, werden Miningfarmen mittlerweile dazu genutzt, um eventuellen Energie-Überschuss abzufangen. Gerade im Hinblick auf den Einsatz von Wind- und Solarenergie ist es notwendig, Schwankungen abfedern zu können – würde Energiespitzen nicht verbraucht, müssten Windräder abgeschaltet werden, wenn sie zuviel produzieren.

Damit kann überschüssige Energie in Bitcoin verwandelt werden, die Netzstabilität gesichert werden und für die Stromerzeuger bietet sich die Möglichkeit einer Regulierung, wie sie Regierungen weltweit zwar erzielen wollen, aber nur schwer erreichen können: Mittels Strompreisanpassungen (hoher Preis bei Verbrauchsspitzen, niedriger Preis bei Überschuss oder wenig Verbrauch) können Miningfarmen dazu genutzt werden, das Energienetz zu stabilisieren. Somit tritt eine paradoxe Situation ein: Die Erzeuger volatiler Kryptowährungen stabilisieren die Energie-Volatilität von erneuerbarer Energie.

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