Wird Bitcoin jetzt grün?

Bei Krypto-Kritikern ist der Ruf von Bitcoin vor allem der eines Energiefressers. Der hohe Stromverbrauch ist neben dem der Geldwäsche der Hauptkritikpunkt – nicht ganz zu Unrecht, haben doch in der Vergangenheit die Wale unter den Mining-Unternehmen bei der Standortwahl in erster Linie auf die Verfügbarkeit billiger Energie geachtet. Das führte dazu, dass Mining teilweise in Ländern mit fragwürdigem Umgang mit Menschenrechten, politischer Opposition oder mit einem alles andere als grünen Strommix betrieben wurde. Das globale Umdenken und der Trend hin zu grüner Energie und Nachhaltigkeit hat aber mittlerweile auch die Mining-Industrie erfasst. Dazu kommt politischer Druck aus vielen Ländern wie Australien, den USA oder der Europäischen Union: Betrug, Geldwäsche und verantwortungsloser Umgang mit Energie sollen eingedämmt oder bekämpft werden.

Rechnen, bis der Prozessor raucht

Der hohe Stromverbrauch rührt neben dem klassischen Mining vor allem von der Validierung der Transaktionen her. Die Rechner müssen komplexe mathematische Aufgaben lösen – das geht nur dann auf einem wirtschaftlich vernünftigen Level, wenn Hochleistungsrechner in ausreichender Stückzahl eingesetzt werden – und diese sind wahre Stromfresser, aber auch Hitzegeneratoren. Somit wird Energie sowohl für den Betrieb als auch für die Kühlung der Anlagen benötigt. Grund genug für die Branche, um über alternative, ressourcenschonende Validierungsmethoden nachzudenken: Weg von PoW, hin zu PoS oder zum Optical Proof of Work (oPoW) – bis es flächendecken so weit ist, hat weiterhin die Suche nach Standorten mit günstigem Strom Vorrang.

Grüner, billiger Strom

Die Rechenleistung in Proof-of Work Netzwerken wie Bitcoin wird in Hashs gemessen. Die Hash Rate ist dann die gesamte Rechenleistung. Die University of Cambridge hat den „Cambridge Bitcoin Electricity Consumption Index“ aufgesetzt, bei dem auf einer interaktiven Karte aufgezeigt wird, wie hoch die Hash Rate eines Landes ist. Spitzenreiter sind die USA vor Kanada und Russland. Aber auch kleine Länder mit einem grünen Energiemix können für das Mining in Frage kommen: Norwegen etwa könnte hier aus zweierlei Gründen interessant werden: Einerseits wird der Strom für Bitcoin-Mining in Norwegen zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien gewonnen, andererseits ist Norwegen für seine im Vergleich zu anderen europäischen Ländern günstigen Strompreise bekannt. Dazu kommt, dass der Strompreis günstiger ist, je weiter im Norden man sich innerhalb Norwegens befindet. Das ist vor allem im Hinblick auf das Wärmethema beim Mining entscheidend: So ist logischerweise die erforderliche Kühlleistung in einer kälteren Umgebung geringer, und die produzierte Wärme lässt sich vor Ort nutzen, um etwa damit zu heizen oder Warmwasser zu gewinnen.

Netzstabilität dank Mining

Bei allen Diskussionen zum Thema erneuerbare Energien ist stets die Verfügbarkeit ein Knackpunkt: Die Sonne lässt sich nicht auf Knopfdruck einschalten, ein Kohlekraftwerk schon. Der Wind weht nicht rund um die Uhr konstant, ein Atommeiler produziert aber verlässlich die benötigte Menge, um die Stabilität der Stromnetzes zu gewährleisten und auch Verbrauchsspitzen abzudecken. Hier kommt es bei regenerativer Energie sogar zum Problem, dass teilweise massive Überschüsse produziert werden, die nicht verbraucht werden können. Im Hinblick auf die Netzstabilität müssen die Anlagen dann sogar gedrosselt werden – hier kommen die Mining-Unternehmen ins Spiel: Sie absorbieren die überschüssige Energie zu rabattierten Preisen und fahren die Rechenleistung bei erhöhtem Energiebedarf, wie etwa Kälte- oder Hitzewellen, „auf Knopfdruck“ herunter. Eine Miningfarm kann somit quasi als Strombatterie fungieren, ohne dass auf teure Pumpspeicherkraftwerke zurückgegriffen werden muss.

Grün-Bonus

Mit diesem Beitrag zum grünen Energiemix und der Umweltfreundlichkeit wird Bitcoin auch für institutionelle Anleger interessant, die jedoch auf ihren Ruf bedacht sind. Hier können nachhaltige Standards helfen – Nachhaltigkeitsnachweise oder Zertifikate, wobei sich hier bereits ein neuer Markt auftut: Ähnlich dem Handel mit den CO2-Zertifikaten könnten sich wenig nachhaltige Staaten oder Unternehmen quasi „Grünwaschen“. Auf jeden Fall kann Bitcoin-Mining ungeachtet technologischer Entwicklungen bei der Validierungsmethode einen wertvollen Beitrag dazu leisten, dass erneuerbare Energien für den Flächeneinsatz interessanter werden.

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