Kampf der Titanen

BTC steht (noch) an der Spitze der Kryptowährungen, gefolgt von ETH. Experten schätzen, dass sich die Nummer Zwei aber auf lange Sicht gegen den Krypto-Primus durchsetzen könnte. Auch wenn der Krypto-Markt floriert, ändert sich an der Spitze wenig. Bitcoin bleibt mit einer Marktkapitalisierung von etwa 753 Milliarden US-Dollar (Stand Mitte März 2022) klar die größte Kryptowährung, mit einem Respektabstand gefolgt von Ethereum. ETH ist derzeit etwa 2.600 US-Dollar wert und kommt damit auf einen Marktwert von 318 Milliarden US-Dollar. Ethereums zahlreiche Anwendungsfälle für DeFi lege aber die Vermutung nahe, dass der Zweitplatzierte das Krypto-Urgestein vom Thron stoßen könnte.

Diese Meinung vertritt u.a. Prof. Dr. Aleksander Berentsen, der Wirtschaftstheorie an der Universität Basel lehrt. Im Podcast „Bitcoin, Fiat & Rock’n’Roll“, der sich mit digitalen und physischen Währungen auseinandersetzt, erklärte er kürzlich, dass sich Bitcoin und Ether zwar im Aufbau ähneln, ETH aber durch seine vielzähligen Funktionen und Anwendungsfälle punkten könne – er nannte in diesem Zusammenhang die Smart Contract-Fähigkeit der ETH-Blockchain, die vor allem den DeFi-Sektor antreiben dürfte. Die Vielfalt an Anwendungsmöglichkeiten ist es, die ETH langfristig eine Vormachtstellung einräumen könnte. Nichts weniger als ein Ersatz des Finanzsystems in seiner heutigen Form stellt Berentsen in den Raum, nicht zuletzt aufgrund der höheren ETH-Effizienz und der geringeren Kosten für das Aufrechterhalten der dahinterliegenden Architektur.

NFT-Bost für ETH

Die Ethereum-Blockchain kommt auch beim aktuellen Trendsetter NFT zum Einsatz. So können Krypto-Fans nicht nur digitale Sammelobjekte ihrer Lieblingskünstler oder -marken erstehen, die Eigentumsrechte an den Token werden außerdem klar definiert und auf der Blockchain gespeichert. Aber auch von der immer stärker werdenden Nachhaltigkeitsbewegung könnte Ethereum profitieren, wie Dr. Larisa Yarovaya von der Southampton Business School gegenüber CNBC ausführt: Sie erklärte, dass die Ethereum-Blockchain nicht nur deutlich effizienter, sondern auch umweltfreundlicher sei als die, die dem Bitcoin zugrunde liegt. Daher befürwortet sie, dass der Bitcoin gänzlich eingestellt wird, wie sie bereits im vergangene Jahr gegenüber der „Financial Times“ forderte. „Bitcoin könnte die erste ineffiziente Version einer bahnbrechenden Technologie sein“, so Yarovaya gegenüber dem Finanzblatt und fordert unverhohlen ihren Tod: „Sie sollte zum Wohle des Planeten sterben und durch ein neues Modell ersetzt werden. Sie verbraucht mehr Strom als ein ganzes Land.“ Auch die Wertsteigerung rechtfertige nicht den hohen Energieverbrauch: „Es handelt sich um ein spekulatives Gut. [Der Bitcoin] schafft keine nennenswerte Anzahl von Arbeitsplätzen. Er wird nicht häufig für Transaktionen verwendet.“

Des Einen Leid, des Anderen Freud

Die Umweltbedenken bezüglich BTC gereichen ETH zum Vorteil, zumal die Entwickler mit Hochdruck an einer „grüneren Version“ der Plattform arbeiten. „Ethereum durchläuft derzeit eine Reihe von Upgrades, die das Mining durch Staking ersetzen werden“, heißt es dazu auf der Webseite des Projekts. „Dadurch wird die Rechenleistung als Sicherheitsmechanismus abgeschafft und der CO2-Fußabdruck von Ethereum um 99,95 % reduziert.“ Damit könnte eine Transaktion auf dem Netzwerk langfristig weniger Energie verbrauchen als etwa eine Zahlung per Visa, zumal umweltfreundlichere Zahlungen via Ethereum nicht auf Kosten der Dezentralität und Sicherheit der Blockchain eingeführt werden.

Wohin des Weges, Ether-Kurs?

Bill Barhydt, Mitgründer und CEO von Abra, prognostiziert ETH ebenfalls eine strahlende Zukunft und stellte im Interview mit CNBC-Moderatorin MacKenzie Sigalos in Aussicht, dass die Ethereum-Blockchain langfristig als „Computer der Welt“ fungieren werde und hält es für denkbar, dass verschiedene Stablecoins, aber auch verbreitete DeFi-Programme und Spiele auf die Technologie aufbauen. Auch Barhydt zeigt sich gegenüber dem NFT-Trend mit Blick auf Ethereum zuversichtlich. Die Entwicklung dieser Netzwerkeffekte befinde sich aber gerade erst am Anfang, nach Einschätzung des Experten könnte sich der Kurs der Kryptowährung auf 30.000 bis 40.000 US-Dollar erhöhen – einen genauen Zeitraum dafür nannte er jedoch nicht.

Das „Flippening“ (der Zeitpunkt, an dem die Marktkapitalisierung von Ethereum die von Bitcoin überholt) lässt zwar sicher noch auf sich warten, aber „die Entwicklungen rund um dezentrale Anwendungen auf der Ethereum-Blockchain könnten in Zukunft den Abstand zum Branchenprimus Bitcoin weiter verkürzen“, zeigt sich Finanzanalyst Timo Emden vom Finanzdienstleister IG überzeigt. „Gleichzeitig besitzt der Bitcoin jedoch einen Pioniereffekt, zumal die Kryptowährung als die erste ihrer Art gilt. Vor diesem Hintergrund fungiert diese auf vielen Börsenplätzen als klassische Tauschwährung“. Er sieht für BTC besonders einen Vorteil in ärmeren Ländern, die sich von der Abhängigkeit zur Reservewährung US-Dollar lösen möchten. Das Rennen um die Vorherrschaft bleibt also spannend…

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