Ab in den Süden

Das Allzeithoch vom November 2021 ist schon ein Weilchen her; seither zieht es den Kurs der meisten Kryptowährungen wie viele Urlauber gen Süden. Einbrüche um die 70 Prozent im Vergleich zum Höchststand treiben Investoren ganz ohne Sommerhitze die Schweißperlen auf die Stirn. Ein drohender Krypto-Winter lässt vielen zwar kalte Schauer über den Rücken laufen, eine Marktabkühlung könnte die Preise aber auf Jahre hinaus in den Keller schicken.

Die aktuelle geopolitische Lage ist wohl kaum dazu geeignet, auf absehbare Zeit für Entspannung zu sorgen. Im Gegenteil: Ukraine-Krieg und Corona belasten Rohstoff- und Energiepreise, machen Minern das Leben schwer und sorgen für ein wirtschaftliches Umfeld, das man im besten Fall als „heraufordernd“ bezeichnen muss. Die Inflation erreicht gefährliche Höhen, weshalb die Notenbanken gezwungen sind, dem Inflationsdruck entgegenzuwirken und die Zinswende einzuleiten. Die EZB erhöhte den Leitzins erstmals seit Jahren auf 0,5 Prozent – ein Tropfen auf den heißen Stein, klar – aber genug, um einige Anleger zurück in den Schoß festverzinslicher Wertpapiere zu treiben.

Marktbereinigung

Es hat sich nur wenige Wochen nach den Kureinbrüchen gezeigt, wer in den fetten Jahren gut gewirtschaftet hat und wer nicht. Zahlreiche Unternehmen reagierten zeitnahe mit Entlassungswellen, da man in der Vergangenheit zu rasch gewachsen war oder zu wenig Rücklagen gebildet hatte. Was für die betroffenen Mitarbeiter wenig Trost ist, aber einen wichtigen Aspekt darstellt, ist die nun einsetzende Marktbereinigung, wie CK Zheng, Mitgründer des Hedgefonds ZX Squared und James Butterfill, Head of Research bei CoinShares, finden: „Wir wissen nicht, ob der Schuldenabbau inzwischen abgeschlossen ist. Ich denke, wir befinden uns noch immer im Prozess der Ausspülung schwacher Player“, zitiert „CNBC“ Zheng. Seiner Meinung nach würde es dem Markt dabei helfen einen Boden zu finden, wenn keine weiteren überraschenden Unternehmenszusammenbrüche mehr drohen.

Gerade dieser Punkt – ein Stoppen der Zusammenbrüche – stellt sich in dieser Gleichung als die unkalkulierbare Variable dar: Da viele Krypto-Unternehmen über Transaktionsgebühren ihre Einnahmen erzielen, hängt ihr Erfolg stark davon ab, wie groß das Handelsvolumen ist. Und das hat in letzter Zeit deutlich abgenommen. Nach der Insolvenz von Krypto-Lending Unternehmen drohen nun auch Pleiten bei Bitcoin Mining-Unternehmen. Sie sind, anders als die Bitcoin-Verleiher, von verschiedenen Seiten bedroht.

Die aktuelle Lage wartet mit vier Komponenten auf, aus denen sich kaum ein tragföhiges Gerüst errichten lässt: Der Preisverfall des Bitcoin, der erhöhte Energiebedarf beim Schürfen, steigende Energiepreise und höhere Kapitalkosten durch steigende Zinsen führen dazu, dass Miningunternehmen teilweise Rücklagen in großen Stückzahlen auf den Markt werfen, um ihren Fortbestand zu sichern. Die einbrechenden Kurse der börsennotierten Miner tun das Ihrige dazu, den Überlebenskampf zu erschweren. Teilweise sind Kursverluste von über 50 Prozent zu verkraften – eine Herkulesaufgabe, der nur wenige Unternehmen gewachsen sein werden.

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