Kryptowährungen als Blockadebrecher?

Ipek Ozkardeskaya, Analystin bei der Swissquote Bank, sagte: „Da das Bitcoin-Netzwerk und Kryptowährungstransaktionen nicht zensiert werden, könnte Bitcoin ein potenzieller sicherer Hafen für russische Oligarchen sein, um Sanktionen zu vermeiden.“ Kryptowährungen sind aufgrund der Blockchain-Technologie außerhalb der Kontrolle von Banken und Staaten. Allein die Annahme, dass russische Milliardäre zunehmend digitale Währungen als sicheren Hafen nutzen können, hat die Preise in die Höhe schnellen lassen. Auch die USA betrachten Kryptowährungen offenbar als Blockadebrecher. Laut Berichten aus Washington wird eine Strategie entwickelt, um zu verhindern, dass Russland Bitcoin zur Umgehung der verhängten Sanktionen verwendet. Dabei wird auf die Erfahrungen des Iran und Venezuelas zurückgegriffen, zudem gibt es Sanktionen. Die Regierung wolle sicherstellen, dass die Sanktionen gegen Russland maximale Wirkung entfalteten.

Westliche Nationen haben jüngst beschlossen, einige russische Banken aus dem internationalen Swift-Zahlungssystem auszuschließen und das Guthaben der russischen Zentralbank einzufrieren. In der Folge wertete die russische Währung, der Rubel, deutlich ab. Allerdings greifen die Wirtschaftssanktionen nur, wenn Zahlungen tatsächlich über eine staatliche Bank abgewickelt werden.

Russische Benutzer ausgesperrt

Aus diesem Grund forderte der stellvertretende Ministerpräsident der Ukraine, Mykhailo Fedorov, am Sonntag „alle großen Krypto-Börsen auf, Adressen russischer Benutzer zu sperren“. Binance, eine der weltweit größten Börsen, widersprach jedoch zunächst: „Eine einseitige Entscheidung, Menschen den Zugriff auf ihre Kryptowährungen zu verbieten, wäre gegen den eigentlichen Grund, warum Kryptowährungen existieren.“ Die Börse Kraken kündigte außerdem an, dass mangels gesetzlicher Verpflichtungen die Konten seiner russischen Kunden nicht eingefroren werden. Auch die US-Börse Coinbase hat erklärt, sie wolle kein pauschales Verbot aller Coinbase-Transaktionen mit russischen Adressen.

Ob der Einsatz von Kryptowährungen zur Umgehung von Sanktionen tatsächlich erfolgreich sein wird, ist allerdings fraglich. „Sollte es Russland gelingen, mithilfe von Krypto-Assets trotz eines möglichen Swift-Ausschlusses am wirtschaftlichen Leben teilzunehmen, droht ein globaler Regulierungsschock“, sagt Timo Emden, Analyst des gleichnamigen Analysedienstes. „Es dürfte nicht lange dauern, bis die bereits angelegten Daumenschrauben festgezogen werden.“ Ohne Swift scheint es auch unwahrscheinlich, dass Russland Kryptowährungen zumindest kurzfristig tatsächlich als normale Zahlungsmethode verwenden wird.

„Russland muss erst die nötige Infrastruktur aufbauen, um Bitcoin als allgemeines Zahlungsmittel nutzen zu können“, sagte Philipp Sandner, Ökonom an der Frankfurter School of Finance & Manegement, dem „Manager Magazin“. Ähnlich wie bei PayPal muss die russische Regierung zunächst allen Bürgern und Unternehmen ein „Gateway“ für den Zahlungsverkehr zur Verfügung stellen. „Das dürfte eher zwölf als sechs Monate dauern.“

Kryptowährungen sind seit Beginn des Krieges in der Ukraine auf dem Vormarsch. Experten vermuten, dass dies ein Versuch ist, westliche Sanktionen gegen Russland zu umgehen. Dagegen wollen die USA nun etwas unternehmen. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine decken sich immer mehr Anleger mit Kryptowährungen ein, wodurch sich BTC seit Kriegsbeginn um mehr als 25 % verteuert hat, wie Coinbase bekanntgab. Auch ETH gewann seit Ende Februar deutlich an Wert.

Krieg und Sanktionen treiben massiv Geld in den Kryptosektor – verständlicherweise ist in Russland und der Ukraine der BTC-Handel signifikant angestiegen. Die Transaktionen zwischen Rubel und Kryptos haben sich lt. der Forschungsgruppe Chainalysis seit der Invasion auf 60 Mio. US-Dollar täglich verdoppelt – die ukrainische Kryptobörse Kuna konnte ihr tägliches Handelsvolumen sogar verdreifachen.

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