Massenverkauf, Mining-Verbot, Potenzial

Eines steht fest: Die Kryptobranche hat schon bessere Zeiten erlebt. Der Bitcoin fiel teilweise unter 20.000 Dollar und verlor somit mehr als zwei Drittel an Wert ein. In der Branche geht die Angst vor einem Krypto-Winter um – kontinuierliche Preiseinbrüche ohne signifikante Erholung auf Jahre hinaus. Der letzte solche Winter war in den Jahre 2017/2018, als BTC um 80 Prozent einbrach und sich auf Jahre nicht aus dem Tief befreien konnte.

In der aktuellen geopolitisch kritischen Lage samt Energiekrise schlittern viele Miner in die Unrentabilität. Die operativen Kosten übersteigen die erzielbaren Erlöse und machen mit dem Mining Schulden. Die Konsequenz: Breit angelegte Verkäufe. Entgegen dem Trend zu hodln haben einem Bloomberg-Bericht zufolge Bitfarms Ltd und Riot Blockchain Inc. einen Teil ihrer geschürften Coins verkauft. Neueste Entwicklung: Im Juni stieß Core Scientific, mit 180.000 Servern größter Miner der Branche, über 7.200 BTC ab – bei einem Kurs von geschätzten 23k pro BTC eine Finanzspritze in Höhe von über 165 Mio. US-Dollar, die der Schuldentilgung dienen sollen. Damit hat das Unternehmen nur mehr rund 2.000 BTC in seinem Besitz, was eine Wiederholung des Befreiungsschlages vom Juni unmöglich macht. Dennoch hat man angekündigt, weiterhin selbst geschürfte BTC verkaufen zu wollen, um am Leben bleiben zu können (Schuldentilgung, operative Ausgaben decken, Aufrechterhalten der Liquidität).

Düstere Aussichten in der EU

Nach dem Beschluss von MICA, bei dem nicht weniger als der Krypto-Bann in der EU drohte, gärt es weiter: Ein Bericht der EZB hält ein Verbot von Bitcoin Mining für “wahrscheinlich”. Grund ist, wie bei den Minern, der Anstieg der Energiepreise infolge des Kriegs zwischen Russland und der Ukraine. Darum sollten Gesetzgeber “einen genaueren Blick” auf die produktive Nutzung ihrer Stromquellen werfen. Um gegen den “signifikanten CO₂-Fußabdruck” von PoW-basierten Kryptowährungen vorzugehen, hält die EZB eine Reihe von politischen Maßnahmen für “wahrscheinlich”, die von einer CO₂-Steuer auf das Halten oder Transferieren von Bitcoin bis hin zu einem völligen Verbot von Mining reichen.

BoA sieht Potenzial

Drohen in der EU drastische Maßnahmen, sieht eine Studie der Bank of America Zukunftspotenzial. Aufgrund einer Befragung von 1.000 potenziellen wie tatsächlichen Besitzern digitaler Vermögenswerte sind Kauf- als auch Verkaufserwartungen im Krypto-Sektor stabil. Das Interesse der Verbraucher sei trotz der massiven Korrekturen am Krypto-Markt ungebremst. Die durchschnittliche Transaktionsgröße variiere, liege aber meist unter 25 US-Dollar. Ein deutliches Wachstum sieht die Bank in der Nutzung von BTC & Co. als Zahlungsmittel.

Auf der Konferenz „Web3 & Digital Assets Day“ waren sich die Redner einig, dass der sogenannte „Krypto-Winter“ auch Chancen böte, wie die Vergangenheit schon mehrmals gezeigt hat. Die Zurückhaltung der Anleger führt die Bank of America auf die fehlende Regulierung des Marktes zurück, die trotz zunehmendem Vertrauen auf regulatorische Sicherheit warten. Wenn also der Gesetzgeber „Spielregeln“ etabliert, würde das Investitionsvolumen schnell ansteigen.

Das Marktpotenzial digitaler Assets beziffert die Bank of America mit einer Milliarde Nutzer, zu der sich eine weitere Milliarde hinzugesellen könnte, wenn zwischen Fiat-Währungen und dem Krypto-Ökosystem eine bessere Verbindung bestünde. Die Richtung ist also vorgegeben, man wird sehen, wann der Zug sich in Bewegung setzt.

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