Bitcoin-ATMs auf dem Vormarsch

Es ist eine seltsame Entwicklung, die wir derzeit beobachten können: Während immer mehr klassische Geldautomaten verschwinden, weil sich das Banking ins Internet verlagert und vermehrt elektronisch bezahlt wird, nimmt die Zahl der Bitcoin-Automaten weltweit steig zu. 2021 hat sich ihre Anzahl gar verdoppelt. Täglich kommen rund 50 Krypto-ATMs dazu – die meisten in den USA, wo über 30.000 Automaten aufgestellt sind. Weit abgeschlagen liegt Kanada mit etwa 2.300 auf Platz 2 vor El Salvador, das aufgrund seiner Einführung des Bitcoins als Zahlungsmittel über 200 ATMs betreibt, Tendenz steigend. Damit liegt das südamerikanische Land aber immer noch vor Europas Spitzenreiter Spanien, wo ebenfalls knapp 200 Autoamten stehen. Hinter Spanien rangiert überraschend das kleine Österreich mit knapp 150, die Schweiz mit über 140 und Polen mit über 130 Geräten. Das große Deutschland verfügt nur über etwas mehr als 30 Automaten.

Die Gründe für das Ungleichgewicht sind einerseits regulatorischer Natur – unterschiedliche Geldwäschegesetze machen es den Betreibern mancherorts schwierig, ihre Geräte aufzustellen. Auf der anderen Seite sind die Konditionen am Automaten gravierend schlechter als online – für viele Krypto-Interessenten lohnt sich der Kauf und Verkauf aufgrund hoher Gebühren von teils mehr als zehn Prozent selten. Interessant ist für manche der anonyme Kauf ohne Anmeldung, auch wenn die Summen in diesem Fall stark limitiert sind.

Automat senkt Hemmschwelle

Während wie erwähnt die Zahl der klassischen Geldautomaten zurückgeht, werden vermehrt Krypto-ATMs aufgestellt, um Krypto-Laien oder konservative Verbraucher anzulocken und den Einstieg zu erleichtern. Für Einsteiger fällt der Kauf oder Handel mit Kryptos oft schwer, weil Wissen oder Vertrauen fehlt. Die deutsche Sparkassen-Finanzgruppe will darum mit der Aufstellung von Bitcoin-Automaten auch ihre konservativen Anleger ansprechen. So erhält die Kryptowährung neben ihrer virtuellen Existenz auch eine reale, greifbare Form. Das schafft Vertrauen und öffnet Märkte.

Neben Banken, wo die Platzierung von Krypto-Automaten naheliegt, drängt aber auch der Handel in den expandierenden Markt: Walmart wird rund 200 Bitcoin-Automaten in seinen Filialen aufstellen und es damit seinen Kunden ermöglichen, in den Geschäften der Warenhauskette Fiat-Geld in Bitcoin umzuwandeln. Voraussetzung dafür ist ein verifiziertes Coinme-Konto. Operativ soll Fiat-Währung eingezahlt und ein Gutschein mit Bitcoin ausgestellt werden.

In Österreich wiederum testete der Elektronikhändler Saturn bereits mehrere Jahre einen speziellen Krypto-Automaten. Es macht durchaus Sinn, in der technikaffinen Käuferschicht Kryptowährungen zu attraktiveren – aufgrund des Erfolgs in Österreich, das ja die zweitmeisten Krypto-ATMs in Europa aufweist, soll der Versuch nun auch auf Deutschland ausgeweitet werden, wo aufgrund strengerer Regularien nur wenige Automaten vorhanden sind. Saturn kooperiert dafür mit dem Anbieter Kurant, der sich selbst als europäischer Marktführer für Bitcoin-Automaten bezeichnet. Für die Nutzung der Automaten müssen sich die Kunden einmalig auf der Kurant-Homepage registrieren und eine Wallet-App auf ihr Smartphone laden. Danach kann am Automaten ein Geldbetrag gewählt werden, der umgewandelt und transferiert werden soll. Die App generiert dann einen QR-Code, der wiederum am Automaten eingescannt werden muss, bevor der Wunschbetrag eingezahlt und der entsprechende Betrag in Bitcoin oder Ethereum der digitalen Wallet gutgeschrieben werden kann.

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