Kettenreaktion

Wenn’s läuft, dann läuft’s – diese Binsenweisheit bewahrheitet sich im Moment im negativen Sinn: Der Kryptomarkt ist am Boden, die Inflation steigt und alle fürchten sich vor einer neuen Rezession. Dazu kommen temporäre Auszahlungsprobleme bei der weltgrößten Kryptobörse Binance und eingefrorene Konten bei Celsius, was kürzlich einen erneuten Crash ausgelöst hat. Der Bitcoinkurs ist in den Keller gerasselt, Miner stellen aus Rentabilitätsgründen ihre Arbeit ein und werfen ihre BTC-Bestände samt Hardware auf den Markt.

Die Schieflage beim Bitcoin wird nun zum Problem für Unternehmen wie MicroStrategy: Vor rund 2 Jahren hat das Software-Unternehmen damit angefangen, jeden freien Cent in Bitcoin zu investieren. Rund 129.000 BTC stehen nun in der Bilanz – beim aktuellen Kurs um 22k Dollar entspricht das einem Wert von rund 2,84 Milliarden Dollar -bezahlt hat MicroStrategy dafür jedoch fast vier Milliarden Dollar. Da helfen auch die Beschwichtigungsversuche von MicroStrategy-CEO Michael Saylor via Twitter wenig – die Aktie ist Mitte Juni dennoch um 30 Prozent eingebrochen.

Apropos Juni: Ende Juni ist der nächste Quartalsbericht fällig – und da droht eine saftige Abschreibung auf die Bitcoin-Verluste; man ist aber in guter Gesellschaft, denn auch Tesla, Block und allen anderen Firmen, die Kryptos besitzen, müssen Verluste abschreiben. Aktionäre mögen das gar nicht und in der aktuellen, angespannten Lage ist mit nervösen Reaktionen und Kursbewegungen nach unten zu rechnen.

Kündigungswelle

Einem Tsunami gleichend bricht eine Kündigungswelle über die Branche herein: Coinbase rüstet sich mit dem Personalabbau für einen drohenden Krypto-Winter samt Rezession. 900 Stellen werden gestrichen. CEO Brian Armstrong erklärte, dass Coinbase im letzten Bullenmarkt „zu schnell“ gewachsen sei. Das ist zwar nachvollziehbar, wird den Aktienkurs aber sicher nicht beflügeln.

Auch das in Wien ansässige Unternehmen Bitpanda (erst im Vorjahr zum Einhorn gekürt) entlässt ein Viertel seiner Belegschaft. Man reagiere damit auf die durch „geopolitische Spannungen steigende Inflation und die Sorge vor einer bevorstehenden Rezession“, schreiben die Bitpanda-Gründer Eric Demuth, Paul Klanschek und Christian Trummer.

Walsichtung

Während manche Unternehmen schwer angeschlagen wirken, nimm die Walpopulation im Moment stark zu: Die Anzahl der Bitcoin-Großinvestoren, auch Wale genannt, hat in den letzten Wochen deutlich zugenommen – laut den Blockchain-Analytikern von Glassnode ist die Anzahl der Bitcoin-Investoren, die über 10.000 Bitcoin besitzen, von Oktober bis jetzt von 80 auf über 100 gestiegen.

Wie wir schon festgestellt haben, ist jetzt die Zeit, in der künftige Großunternehmen die Basis ihres Erfolgs schaffen. Wer diese Krise zu seinen Gunsten nutzen kann, wird in der nächsten Hochphase voll davon profitieren können, dass einigen Mitbewerbern frühzeitig die Puste ausgegangen ist…

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