Gründe für den Absturz, Aussicht auf Erholung

Besitzer von Krypto-Assets mussten in den vergangenen Wochen starke Nerven beweisen: Die Kurse rasselten massiv in den Keller. Grund dafür ist die steigende Inflation und – damit verbunden – die Aussicht auf steigende Leitzinsen. Das beeinflusst neben dem Krypto- auch den Aktienmarkt, der in der jüngeren Vergangenheit immer öfter deutliche Parallelbewegungen zeigt. Dazu kommen die Probleme, die der Stablecoin TerraUSD verursacht hat. Terra war trotz angestrebter Parität zum Dollar zeitweise weniger als 0,20 US-Dollar wert, die Auswirkungen erfassten nicht nur UST und den Schwester-Coin Luna, sondern den gesamten Kryptomarkt und damit auch die großen Kryptowährungen wie BTC, ETH, XRP und weitere.

Der Crash brachte neben einem Wert- auch einen Reputationsverlust mit sich. Zwischenzeitlich wurde Bitcoin ja beinahe als „Heilsbringer“ und Kryptonit gegen Inflation verehrt. Randy Frederick vom Finanzberater Charles Schwab: „Viele Leute dachten, dass es ein Inflationsschutz wäre, aber es gibt nur sehr wenige Daten, die das belegen. Nicht nur in letzter Zeit, sondern auch auf lange Sicht war das nicht der Fall.“ Diese Fehleinschätzung wurde nun deutlich bestraft und eindrucksvoll bewiesen, wie sehr der Wert von Kryptowährungen an Tech-Aktien geknüpft sind – Apple, Facebook und Google haben ebenfalls massiv an Wert verloren.

Großinvestor Raoul Pal etwa sieht lt. Cointelegraph die Ursache der Schwäche der Kryptos in einer Kombination aus hohen Leitzinsen und der Sorge vor einer Rezession: „Die Löhne der Privatanleger sind nicht in gleichem Maße gestiegen, wie die Preise, weshalb es ihnen an überschüssigem Vermögen fehlt, sie können also weniger investieren.“

Regulierungsbestrebungen, Einstiegsmöglichkeit

Die völlig abgehobene Vorstellung, dass Kurse sich ständig noch oben bewegen würden, wurde zerstört. Nun folgt, was dem Deregulierungsgedanken zuwiderläuft: Die US-Politik plant, den Markt stärker zu regulieren. Christine Lee, Kryptoexpertin bei Coindesk: „Vielen Leuten tut das [Anm.: der Kurseinbruch] derzeit weh und es findet gerade ein böses Erwachen statt. Der Kryptomarkt ist wie eine Achterbahnfahrt. Man muss sich anschnallen und die Fahrt genießen.“ Oder ein wenig auf Risiko setzen: Wagemutige Kryptoexperten raten, jetzt einzusteigen.

Laut Raoul Pal dürfte das Ende der Abwärtsbewegung der Kryptowährungen von den Leitzinserhöhungen der US-Notenbank Fed abhängen. Die Bodenbildung dürfte noch nicht abgeschlossen sein und der richtige Crash erst noch bevorstehen. Das gilt aufgrund der Verflechtung für den Krypto- und auch für den Aktienmarkt. Doch Pal erwartet, dass die Fed ihre Geldpolitik wohl im Falle des Crashs lockern wird. „Es ist unwahrscheinlich, dass die Zentralbank die Leitzinsen so schnell und hoch treiben wird, wie viele erwarten. Ich vermute, dass sie schon im Sommer wiederum damit aufhören wird“, so der Experte.

Wenn dadurch neue Liquidität in die Märkte fließt, dürfte das das Ende des Abwärtstrends bedeuten und alle Assets – Aktien, Anleihen und Kryptowährungen – sollten wieder deutlich steigen. Die Aussicht ist auf jeden Fall spannend und potenzielle Investoren sollten die Kurse genau verfolgen, um das den richtigen Zeitpunkt für den Einstieg nicht zu verpassen.

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