Jetzt kühlen Kopf bewahren

Der Blick auf die Kurscharts sorgt aktuell für verhaltene Stimmung. Zu groß ist der Druck, unter dem der Kryptomarkt aktuell steht. Noch vor gar nicht allzu langer Zeit wurden noch Höchststände gefeiert , nun geht es bergab. Grund zu Panik ist das keiner, denn wir kennen bereits aus der Vergangenheit Talphasen, aus denen sich die Kryptos stets erstarkt aufschwangen. Wer natürlich das schnelle Geld ohne Risiko gesucht hat, der dürfte inzwischen enttäuscht und um Etliches ärmer sein. Kühle Rechner, langfristige Planer und eiserne Hodler wissen, dass jetzt die Zeit ist, seine Assets zusammenzuhalten und gegebenenfalls sogar aufzustocken. Man muss nur die Augen offenhalten und die verschiedenen Signale richtig deuten.

Fidelity bleibt optimistisch

Eines dieser Signale ist das Verhalten großer, institutioneller Anleger. Wie wir berichtet haben, ist mit Fidelity einer der größten Pensionsfonds in das Krypto-Geschäft eingestiegen und ermöglicht es seinen Kunden, einen Teil ihrer Altersvorsorge in Bitcoin zu investieren. Und von Fidelity kommt eine klare Ansage: CEO Abby Johnson bleibt trotz des dramatischen Abverkaufs der vergangenen Tage langfristig bullish für den Krypto-Sektor. Er sieht in diesem „Krypto-Winter“ eine hervorragende Nachkaufgelegenheit. Stählerne Nerven vorausgesetzt, geben die Zahlen im Recht: Bitcoin hat im laufenden Jahr bereits über die Hälfte an Wert verloren, bei Ether fallen die Einbußen mit knapp 70 Prozent sogar noch höher aus (Stand Mitte Juni).

Hier beginnt sich nun die Spreu vom Weizen zu trennen: Wer gewirtschaftet hat, als gäbe es kein Morgen, muss mangels strategischer Reserven als Erstes Federn lassen: Coinbase, eine der größten Kryptobörsen hat relativ früh die Entlassung von 18 Prozent seiner Mitarbeiter bekanntgegeben. Als Grund wurde zu rasches Wachstum während der Hausse genannt – wenn man sich in guten Zeiten jedoch einen Notgroschen schafft, kann man solche Entscheidungen auch später treffen müssen.

Nachkaufmöglichkeit

Seit jeher haben sich wirtschaftliche Krisen für kühle Strategen und mutige Investoren als hervorragende Chance entpuppt. Dazu gehört auch Abby Johnson, laut „Forbes“ im März 2022 mit über 20 Mrd. US-Dollar die zehntreichste Frau der Welt und Chefin des traditionellen Bostoner Investmenthaus Fidelity Investments. Sie investiert bereits seit 2014 in den Bitcoin. Wer sich erinnern kann: Damals bekam man 1 BTC noch unter 250 US-Dollar! Im Hinblick auf die letzten acht Jahre ist ihre Einstellung nachvollziehbar – es sei bereits ihr „dritter Krypto-Winter“, erklärt die Investorin Johnson im Rahmen der „Consensus 2022“-Kryptokonferenz. Und räumt ehrlicherweise ein, dass auch sie sich „schrecklich wegen des verlorenen Wertes“ fühle.

Buy the dip

Verkaufsdrucks ist Johnson weiterhin von den positiven Aussichten der Cyberdevisen überzeugt. „Es gab viele Höhen und Tiefen, aber ich sehe das als eine Chance“, ordnet Johnson den aktuellen Krypto-Bärenmarkt ein. „Ich wurde als Kontrazyklikerin erzogen und reagiere daher reflexartig: Wenn man der Meinung ist, dass die Fundamentaldaten eines langfristigen Falles wirklich stark sind, ist es an der Zeit, den Einsatz zu verdoppeln und besonders stark einzusteigen, wenn alle anderen aussteigen.“ Es scheint logisch, dass Johnson den derzeitigen Dip nutzen wird, um Bitcoins nachzukaufen.

Wo sie sehr wohl kritisch reagiert, ist der Regulierungsdrang der Regierungen, der sich wachstumshemmend auf den Kryptomarkt auswirkt. Wir beobachten ja in diesem Zusammenhang eine paradoxe Situation: Einerseits werden Miner verurteil und teilweise das Mining komplett verboten, andererseits wollen alle ihr Stück vom Kuchen haben und mittels Krypto-Steuern am Investment-Erfolg der Bürger mitnaschen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…

Johnson ihrerseits fordert die Gesetzeshüter dazu auf, transparente Regeln für den Umgang mit den Kryptowährungen zu entwerfen. Dies würde viel Unsicherheit aus dem Markt nehmen, die Volatilität verringern und so Innovationen ermöglichen. Natürlich kann man nicht nur den Regierungen die Schuld für die aktuelle Talfahrt in die Schuhe schieben: Die Inflation ist weltweit auf einem sehr hohen Niveau, was nun zu einer strafferen Geldpolitik seitens der Zentralbanken führt: Den Märkten soll Liquidität entzogen werden, das drückt aber die Umsätze und Gewinne von Unternehmen. Dazu kommen hohe Energiepreise, die traditionell als Inflationstreiber fungieren. Der Wachstumsausblick wurde von der OECD gesenkt – auch ein negatives Signal für konservative Investoren. Und die risikofreudigeren Krypto-Fans schrauben ihr Risikolevel auch zurück: „Krypto-Fans sind Volatilität gewöhnt, aber diese Achterbahnfahrten nach unten werden immer schwieriger zu verdauen. Nun da die Ära von Billig-Geld abrupt zum Ende kommt, werden Trader viel risikoaversiver und kehren Krypto-Assets den Rücken“, kommentiert Susannah Streeter von Hargreaves Lansdown gegenüber Bloomberg.

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